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15.06.2009

Gestern abend haben wir noch beschlossen, ohne Frühstück wegzufahren, damit wir wenigstens eine Stunde kühleres Wetter haben, die Sonne brennt den ganzen Tag genug. Ausserdem machte Alex uns Hoffnung auf Nebelstimmung über dem Fluss. Nebel gab es keinen, und bis wir unser ganzes Geraffel odentlich in den Booten verstaut haben, ist es auch halb acht. Auf noch keiner unseren Touren waren wir so früh im Boot! Nach einer Stunde gemütlichen Paddeln kommen wir zu einem kleinen Schwall. Dank Trockenzeit ist wirklich wenig Wasser im Fluss und wir beschliessen, besser zu treideln als die Boote zu ruinieren. Das Wasser ist angenehm warm, und Piranha, Jacaré und Co. haben wir noch nicht gesichtet, demnach haben wir keine Probleme beim "Boot ziehen".

Und weil wir schon langsam Hunger bekommen, baut Alex den Frühstückstisch auf und beginnt, Kaffee zu kochen.

Es dauert nicht lange und wir sehen ein Eingebohrenen-Boot bergauf fahren. Die Insassen müssen an der Flussschnelle auch aussteigen, das beladene Boot würde ausitzen, bzw. die lange Motorwelle mit dem Propeller am Ende hätte Grundberührung. Wir unterhalten uns ein wenig mit ihnen (für irgendetwas müssen unsere Portugiesisch-Stunden ja gut sein) und verteilen ein paar eisgekühlte Frühstücksbiere. Die Besatzung besteht aus Mutter, Tochter und Schwiegersohn. Die Mutter wohnt seit 20 Jahren am Fluss, mitten im Nichts, alleine, und bewirtschaftet ein wenig Land und macht Exkursionen mit Touristen. Tochter und Schwiegersohn besuchen sie gerade (es ist ja Karneval in Brasilien und somit Ferien) und sie waren flussab am Wasserfall fischen und jagen. Sie zeigen uns ihren Fang, ein paar grosse Fische und ein Paca (Nagetier, ca. 30 cm hoch) liegen in der Kühlbox. Hmmm, lecker :-(. Sie betonen, dass sie nur zum eigenen Bedarf jagen... Von den Dreien erhalten wir den Tip, dass in ca. 15min Gehdistanz ein Wasserfall im Wald ist, maravilhosa! Habe ich schon irgendwann erwähnt, dass die Brasileiros Wasserfall-verrückt sind? Alex stapft mit dem Einheimischen los, um sich den Weg zeigen zu lassen. Wir trinken inzwischen unser Bier. So richtig wohl ist uns nicht bei dem Gedanken, auf irgendeinem kleinen Pfad nachher durch den Dschungel zu stapfen, es gibt ja doch einiges Getier hier. Aber der Einheimische ist barfuss unterwegs, es kann also nicht soooo schlimm sein. Zum Glück kommen Alex und sein Führer unversehrt wieder und wir trennen uns von unseren neuen Bekannten. Ca. 100m flussabwärts ist der "Einstieg" zum Wasserfall. Der Caboclo hat vorhin mit Alex ein paar Kerben in die Bäume geschlagen, damit wir den richtigen Weg finden. Also stapfen wir durch den Wald, achten darauf, dass oben keine Schlange in Ästen hängt, greifen nicht in Astgabeln und schauen, wo wir die Füsse hinsetzen. Auf unserem Weg sehen wir aber nur eine vertrocknete Schlangenhaut, was mir, ehrlich gesagt, lieber als eine lebenden Schlange ist, und werden von einem Affen, der in den Baumkronen herumhüpft, lautstark beschimpft. Der Affe ist nicht ganz einverstanden damit, dass wir "seinen" Wald betreten. Zum Glück belässt er es bei Beschimpfungen von oben, er sah recht gross aus...

Nach etwa 20 min erreichen wir wirklich einen Wasserfall, und ja, er ist schön.

Alex reisst sich gleich mal die Kleider vom Leib und geht schwimmen. Während wir noch zögern -ist das Wasser wirklich nicht so kalt?-, taucht sie auf:

Neben Alex' Schuhe kommt sie über die Kante des Steins geklettert. Unsere Entscheidung fällt sofort, wir wollen eher nicht schwimmen gehen... Und die Spinne ist etwas verwirrt, mit unserer Anwesenheit hat sie nicht gerechnet. Sie versucht, über einen umgefallenen Baumstamm auf die andere Seite des Baches zu kommen, der Stamm ist aber zu kurz. Also muss sie wieder zurück, ein Sch...tag für Spinnen... Überraschend problemlos finden wir wieder zu den Booten zurück (Hermann hat aber auch brav auf dem Hinweg ein paar Bäume markiert) und paddeln weiter zu unserem nächsten Rastplatz. Durch den Wasserfall-Ausflug ist der Zeitplan etwas durcheinander gekommen und wir erreichen nicht den eigentlich vorgesehenen Platz. Es ist gar nicht so einfach, eine geeignete Stelle zu finden. Es gelten die üblichen Ansprüche: Das Ufer darf nicht zu steil sein, der Wald nicht zu dicht und ein ebenes Fleckchen wäre auch gut. Schliesslich finden wir etwas, diesmal sind die Hängematten etwas schneller befestigt und die Freizeit kann beginnen, zumindest für Hermann und mich. Alex muss ja schliesslich noch kochen für uns.

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