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15.06.2009

Wenn wir schon so lange in Brasilien sind, müssen wir wenigstens einmal paddeln gehen, Flüsse gibt es ja einige. Es war gar nicht so einfach, eine Möglichkeit zu finden, besonders, wenn die eigenen Boote in Deutschland eingelagert sind. Denn bekanntlicherweise meidet der gemeine Brasilianer jegliche körperliche Bewegung und vergöttert den Motorantrieb. Demnach kann man nicht am nächsten Bach einen Kanu-Verleih aufsuchen. Über Umwege sind wir jedoch an die Adresse von Alex Swerak gekommen, wie der Zufall so will, ein Österreicher, der in Manaus lebt und Kanutouren anbietet. Mit einer Kanutour weichen wir zwar von der reinen Faltbootlehre ab, aber zugegebenermassen hat so ein Kanu auch ein paar Vorteile :-) Man muss z.B. die Ausrüstung nicht optimieren, es hat einfach alles Platz, inkl. der Kühlkisten um das Bier auf brasilienverträglichen Temperaturen zu halten.

Montags morgens um 9 Uhr holt uns Alex mit seinem VW-Bus ab. Auf dem Dach sind schon die Kanus, im Inneren sind alle Dinge, die wir die nächsten Tage so zum Überleben brauchen werden. Zwischendurch einkaufen gehen ist nicht möglich, wir sind im Wald, da gibt es keine Dörfer. Und á la Nehberg wollen wir auch nicht unterwegs sein...

Wir verlassen Manaus in nördlicher Richtung und fahren ca. 100km auf einer überraschend guten Strasse. Es ist wenig Verkehr und nach 2 h sind wir am Startpunkt der Kanutour. Es ist eine Badestelle im Fluss, wo schon einige Leute im Wasser sitzen und das obligate Motorboot seine Kreise dreht. Schnell laden wir die Kanus ab und mit unserem Gerödel voll, vor den Augen des staunenden Publikums, das bis zum Schluss nicht glauben kann, dass wir wirklich keinen Motor dabeihaben. Lothar, ein deutscher Freund von Alex, der auch in Manaus lebt, verspricht uns, uns in 6 Tagen an der Versuchsplantage, unserem Ziel, wieder abzuholen. Für die Google-Earth-Benutzer: Start der Tour ist ungefähr bei 2° 6'52.61"S, 59°59'30.70"W und das Ende ist hier: 2°25'33.53"S, 59°33'38.62"W. Leider habe ich das GPS zu Hause gelassen um die Rastplätze näher festlegen zu können, aber vielleicht ist es auch besser so.

Nach ca. 50m kommt die erste Schwierigkeit, es ragen ein paar Pfähle einer ehemaligen Brücke aus dem Wasser, gleichzeitig nimmt die Strömunsggeschwindigkeit zu. Aber kein Problem, wir kommen ohne Berührung durch. Dadurch, dass die Regenzeit dieses Jahr zu spät ist, hat der Fluss sowenig Wasser wie noch selten und Alex prophezeit uns, dass wir in der einen oder anderen Stromschnelle wohl aussteigen müssen. Insgesamt soll es 28 Schnellen geben, abhängig vom Wasserstand, bei Normalwasser wesentlich weniger. Uns ist es egal, bei Nummer 6 oder 7 haben wir sowieso aufgehört zu zählen. Anfangs stehen am Flussufer noch vereinzelte Eingebohrenen-Hütten, nach dem ersten Tag werden es immer weniger, bis wir wirklich im Urwald sind. Die Eingeborenen (Caboclos) bewirtschaften kleine Plantagen mit Palmen und Manioc, solange der Boden genügend Nährstoffe hat. Ist der Boden verbraucht, ziehen die Leute weiter. Wird der Grund 5 Jahre lang bewirtschaftet, geht er in das Eigentum des Bauern über. In der Regel funktioniert die Bewirtschaftung aber nicht viel länger...

Gegen 15 Uhr erreichen wir unser Nachtlager. Das hört sich recht früh an, aber gegen 18.15 Uhr beginnt die Dämmerung und spätestens um 19 Uhr ist es stockfinster, wir sind halt in der Nähe des Äquators. Alex zeigt uns, wie wir am Besten die Hängematten zwischen den Bäumen befestigen sowie die Plane darüber spannen. Feige wie wir sind, wählen wir ausserdem die Mosquitonetze, auch wenn es, dank des geringen pH-Wertes des Urubus, keine Mosquitos gibt. Aber es gibt ja im Wald genügend anderes Getier, das zumindest ich lieber ausserhalb der Hängematte bewundere. Gerade noch vor der vollkommenen Finsternis ist das Abendessen fertig, Alex kocht wirklich gut und mir schwant schon, dass ich bei dieser Tour sicher nicht abnehmen werde.

Der Abend klingt mit ein paar eisgekühlten Bier am Lagerfeuer aus. Wir gehen recht früh schlafen, da wir alle noch vom Carnaval in Manaus geschwächt sind, man wird ja nicht jünger.

Das Schlafen in der Hängematte ist etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man sich jedoch diagonal in die Matte legt, liegt man eben und kann sogar auf der Seite schlafen. Störender empfinde ich die Brüllaffen, die die halbe Nacht im Wald herumschreien, sie machen ihrem Namen alle Ehre. Hermann und Alex schnarchen inzwischen unbesorgt vor sich hin, während ich die Ohrstöpsel suche...

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