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02.03.2009

Novo Airão oder: Die Heimat der Flussdelphine

Heute soll es endlich zu den Flussdelphinen gehen. Doch zuerst müssen 200 km Auto gefahren werden. Mit der Fähre geht es auf die andere Seite des Solimoes, und dann heisst es fahren, fahren, fahren. Überraschenderweise ist die Strasse gut ausgebaut und noch ziemlich neu, es gibt nur ganz wenige Schlaglöcher, eine Seltenheit in Brasilien. Wir werden in einer Pousada in Novo Airao übernachten, die Deutschstämmigen gehört, das erleichtert teilweise die Kommunikation... Und warhlich, der Besitzer erzählt uns, dass er aus Südbrasilien kommt und brasilianisch erst mit 13 Jahren angefangen hat zu lernen. In Deutschland war er noch nie, was man seiner Sprache nicht anmerkt. Er zeigt uns auch gleich ein "Haustier", das dafür sorgt, dass wir nachts nicht so ruhig schlafen:

Nett, oder?

Nach dieser kurzen Einführung in die örtliche Fauna beschliessen wir, uns doch lieber auf die Delphine zu konzentrieren. Nach 10 minütigem Spaziergang durchs Dorf sind wir am Ziel unserer Träume: der "Anlegestelle" der Delphine. Vor einigen Jahren wurde hier begonnen, die Delphine anzufüttern und jetzt sind sie eine Touristenatraktion. Sie kommen, natürlich in der Hoffnung auf ein Stückchen Fisch, freiwillig angeschwommen, lassen sich anfassen und erwarten dafür eine Belohnung. Sie sind weder dressiert noch eingesperrt, wenn sie keine Lust mehr haben auf Menschen, schwimmen sie wieder von dannen. Natürlich kaufen wir sofort Fisch und schon sind sie da, sie warten ja förmlich auf diese einfache Art der Nahrungsbeschaffung.

Sie haben eine ganz weiche, warme Haut, und jeder von ihnen hat eine unterschiedliche "Schnabel"form. Gerade, gebogen, verdreht, es gibt zahlreiche Möglichkeiten. Gierig schwimmen sie heran, obwohl die letzte Gruppe von Touristen gerade erst gegangen ist und sie eigentlich nicht wirklich hungrig sein können. Aber wer weiss... Zuerst ist es uns etwas unheimlich, wie um uns herum immer mehr auftauchen, schliesslich passen in so einen Schnabel ziemlich viele Zähne. Sie drängeln richtig und wer weiss, wenn sie zu "raufen" anfangen (jaja, wir sind geschädigte Hundebesitzer), ob sie dann noch auf uns Rücksicht nehmen können. Aber sie passen auf uns auf und touchieren uns beim Schwimmen nur ganz leicht. Hermann mögen sie ganz besonders, auch wenn er keinen Fisch in der Hand hat, ist sicher ein Delphin in seiner Nähe. Faszinierend!

Neben dem Delphinsteg wird im Fluss eine Schwimmbahn abgesteckt und einige Schwimmer trainieren, mit Stoppuhr. Ebenso gibt es eine Schwimmanfängerin, die beinahe von einem wanhsinnigen Motorbootfahren überfahren wird. Der Motorbootfahrer hat die Bahn wohl mit der "Hafen"- Ausfahrt verwechselt, anders lässt es sich nicht erklären, warum er gerade zwischen der Absperrung fahren muss und nicht aussenherum. Gibt man einem Brasilianer einen Motor, egal was damit angetrieben wird, und das Hirn setzt aus... Jaja, ich weiss, man soll nciht verallgemeinern, aber man sieht es jeden Tag auf der Strasse, warum sollte es auf dem Fluss denn anders sein?

Etliche Fischportionen später müssen wir leider die Delphine verlassen, immerhin sind diese jetzt satt. Es ziehen dunkle Wolken herauf und die Dämmerung ist auch nicht mehr so fern. Der Zauber der Delphine leigt über uns, es ist eine ganz eigenartige Stimmung. Ein sehr beeindruckendes Erlebnis!

Zum Abendessen gibt es mal wieder Pizza, ist ja nun nichts neues. Es dauert jedoch, bis wir in Novo Airao eine geeignete Gaststätte gefunden haben, da irgendwie die Biervorräte zu Ende gegangen sind. Immerhin, die letzte Möglichkeit hatte noch cerveja bem gelada, unser Abend war gerettet.

In Novo Airao hört die Asphaltstrasse auf, von hier aus geht es nur noch per Boot weiter. Eigentlich haben wir nicht herausgefunden, von was die Anwohner dort leben. Alles Fischer? Und wer nicht fischt, fährt Moto-Taxi? Das sind Taxi-Motorräder, die Fahrer haben Westen mit Bügeln rechts und links zum festhalten an und glühen (siehe oben) durchs Dorf. Meistens ohne Fahrgast. Kann also auch nicht so einträglich sein.

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