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02.03.2009

Turm im Regenwald

Morgens um 4 stehen wir abmarschbereit vorm Hotel. Stockfinster ist es noch und wir sind müde. Aber wir sind ja nicht auf Urlaub hier, hehe. Kaum im VW-Bus, schlafen wir auch schon wieder. Nur der arme Alex muss wachbleiben, die Strasse fordert vollste Konzentration.

Heute wollen wir einen Beobachtungsturm mitten im Wald besuchen. Die Höhe des Turmes liegt über dem Blätterdach, ideal für Beobachtungen aller Art. Alex war schon einmal dort, ist sich aber nicht ganz sicher, welche Sandpiste zum Turm führt. Wir haben Glück, die 2. Piste führt zum Ziel. Langsam wird es heller, wir sind ganz froh darüber. Es war eigentlich geplant, bei Sonnenaufgang auf dem Turm zu sein, aber die Suche nach der richtigen Piste hat Zeit gekostet. Seu Reimondo hat uns bei unserem Waldspaziergang erzählt, dass es sehr wohl den Onça im Wald gibt. Der Onça ist ein Jaguar, wird bis zu 140 kg schwer und ich zumindest möchte ihm lieber nicht begegnen. Bisweilen stehen entsprechende Berichte hier in der Zeitung, wie diese Begegnungen ausgehen. Einer stirbt immer und nicht immer ist es der Onça. Und Schlangen gibt es ja auch noch im Wald und überhaupt. Also, uns ist es recht, dass wir schon fast im Hellen den schmalen Pfad zum Turm unter die Füsse nehmen. Der Turm ist erst zu sehen, wenn man knapp davor steht. Ein riesiges Stahlgerüst mit vielen, vielen Treppen.

So ganz wohl ist mir beim Aufstieg nicht, zwischen den Stufen kann man schön bis unten sehen und bei der letzten Stufe muss man immer einen grossen Schritt über eine Lücke machen. Ausserdem beginnt die Konstruktion zu schwanken, als die anderen immer höher steigen. Mir reicht es und ich begnüge mich mit der vorletzten Etage. Auch hier gibt es einiges zu sehen und die Geräusche des Urwaldes höre ich auch. Spannend.

Hier habe ich mal ein Video mit Ton gebastelt. Am Anfang hört man Brüllaffen, es ist dieser an- und abschwellende Ton, der kurz vor dem Spinnennetz anfängt. Sehr beeindruckend und gruselig in der Realität!

Nach ewigen Zeiten kommen die anderen vom Turm herunter. Monika zeigt mir ihre Fotos und ich beginne mich zu ärgern über meine Feigheit. Jetzt gab es erst einmal Frühstück. Mit Sekt. Der hat geholfen, ich habe mir Mut angetrunken und starte einen neuen Versuch. Alleine geht es, da fängt der Turm nicht so an zu schwanken. Auf der gleichen Höhe wie vorher wird es mir wieder ganz komisch. Aber diesmal bin ich fest entschlossen, auch nach oben zu gelangen. Mit Erfolg. Und es war jede Stufe wert!

Am liebsten wäre ich oben geblieben! Fantastisch! Soweit das Auge reicht Grün, Grün, Grün. Nach einiger Zeit haben wir Affen in den Bäumen turnen sehen, sie waren leider zu weit weg (und zu schnell) um sie zu fotografieren. Die Tucanos haben ihre Morgenrunde gezogen und auch die Papageien waren unterwegs. Irgendwann kaufe ich mir doch wieder eine richtige Kamera!

Aber irgendwann ist alles mal vorbei. Unser Tagesprogramm sah noch ein paar Höhepunkte zum Entspannen vor: Baden im Wasserfall. Aufmerksame Leser meiner Berichte wissen, dass Wasserfälle das Höchste für Brasilianer sind. So auch in der Gegend um Manaus. Und da wir schon mehr als die Hälfte der Strecke nach Presidente Figueiredo hinter uns gebracht haben, sind wir halt weitergefahren. Gegen eine kleine Gebühr durften wir zum Wasserfall. Mitten im Wald stürzt das Wasser hinunter, schön schattig und kühl ist es hier.

Während die anderen versuchen, mit der blossen Hand Fische zu fangen (gut, dass wir nicht darauf angewiesen waren! Marianne ist mir seit ca. 10 Jahren den Beweis schuldig, dass das überhaupt funktioniert... ich sag nur Hebalm), lerne ich brav mein Agi-Reglement, die Prüfung rückt in greifbare Nähe, Panik macht sich breit.

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