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02.03.2009

Paddeln Rio Preto

Als wir das letzte Mal in Manaus waren, und auch gepaddelt sind (hier) hat Alex uns auf der Rückfahrt den Rio Preto gezeigt. Ideal für Kurztouren. Jetzt sollte es soweit sein. Da der Urlaub von Marianne und Monika nicht ewig währt, können wir keine 4 Tage auf dem Fluss verbringen, schliesslich gibt es in Brasilien noch mehr zu sehen. Also gibt es nur einen Tag paddeln, Übernachtung bei einer Caboclo (Flussbewohner) Familie sowie ein Urwaldspaziergang mit eben diesem Caboclo, Seu Reimondo.

Die Einsatzstelle liegt an einem öffentlichen Badeplatz. Das hat den Vorteil, dass es eine gute Infrastruktur gibt, um bequem die Boote abzuladen und die Zeit zu vertreiben, bis Alex vom Autoumsetzen zurück ist.

Es dauert auch nicht lange und schon fragt uns der Chef vom benachbarten Quiosque [kioske], ob wir nicht einen Fisch essen wollten. Wollten die anderen, ich leb ja noch immer vegetarisch. Als Alex zurückkommt, ist der Fisch gerade fertig. Diese Aktion wirft den Zeitplan etwas um, auch der Essensplan von Alex leidet, aber es war es wohl wert, der Fisch ist gut.

Anfangs hat der Fluss noch gute Strömung, es ist ablaufendes Hochwasser und so können wir einige Mäander durch den Wald abkürzen.

Während wir noch diskutieren, ob wohl wirklich die Schlangen von den Bäumen hängen und nur auf uns warten, sehe ich dies hier:

Zum Glück hat es auf uns gewartet:-) Ich weiss, das Foto gibt nichts her, mit dem kleinen Fotoapparat in der wasserdichten Hülle lässt sich auf dem Display fast gar nichts erkennen, es ist also ein Glückstreffer, obwohl wir wie wild flussaufwärts gepaddelt sind, damit wir näher ran kommen. Es ist nur gut, dass Faultiere sich wirklich wie in Zeitlupe bewegen...

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kommen wir bei Seu Reimondo an und beginnen sofort, unsere Hängematten zu montieren. Mit einer Caipirinha am Flussufer geht der Tag zu Ende.

Nach dem Frühstück geht es zum Spaziergang durch den Wald, unter fachkundiger Führung. Überraschenderweise laufen lauter Pfade durch den Wald, was man bei dem dichten Bewuchs gar nicht vermuten würde. Des Rätsels Lösung ist schnell gefunden: wir befinden uns auf militärischem Gebiet und die Soldaten üben hier die Fortbewegung im Urwald. Es gibt Pfade bis Manaus, in ein paar Tagen wäre man dort, wenn einem unterwegs nichts passiert. Seu Reimondo arbeitet einige Male pro Jahr für´s Militär, obwohl er ja schon in Rente ist. Er gibt Kurse für die Soldaten, wie sie sich fortbewegen und überleben können im Dschungel. Wir sind also in guter Obhut. Seu Reimondo erklärt uns vieles im Wald, welche Bäume und Pflanzen, deren Saft, Rinde bzw. Blätter für welche Krankheit gut sind. Leider ist mein Gedächtnis in dieser Beziehung ein Sieb, kaum gehört, schon wieder vergessen. Ausserdem sieht ein Baum wie der andere aus, die Baumkronen sind irgendwo in 20, 30m Höhe und die Stämme... ich weiss nicht, ich bekomme das ja schon bei den europäischen Gehölzen nicht hin, aber hier? Ca. 400 verschiedene Arten kommen por Quadratkilometer vor, in ganz Europa sind es 40. Obwohl die Sonne nicht wirklich scheint, ist es sehr schwül im Wald, die Kleider kleben am Körper. Viel zu schnell geht der Ausflug vorbei und wir müssen wieder zurpck. Alles wird wieder in den Booten verstaut, ein kurzes Stück "bergauf" gepaddelt und schon sind wir wieder am Auto. Die "Strasse", also der schlechtere Feldweg, hört an einem Flussarm ca. 500m vor Seu Reimondos Hütte auf. Bis zum Januar diesen Jahres gab es dort keinen Strom (erwähnte ich schon, dass Reimondo 6 Kinder und ca. 20 Enkel hat?), aber jetzt gibt es Fernseher, Kühlschrank, Stereoanlage, DVD-Player und was das brasilianische Herz sonst noch so begehrt.

Innerhalb kurzer Zeit sind die Boote wieder auf dem Hänger und pünktlich beginnt der troopische Regenguss. Geschafft! Wir holpern fast eine dreiviertel Stunde zurück zur asphaltierten Hauptstrasse, extreme Belastung für Mensch und Material...

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Bilder