Kontakt: kontakt@cpatzig.de

20.06.2008

Ilha Grande

Auf deutsch: grosse Insel. Ist natürlich relativ :-) , sie hat auf jeden Fall 193 km² ebene Fläche, in Wahrheit ist sie grösser, weil sie so viele Berge hat.

So sieht sie aus und die braunen Linien sind trilhas, also Pfade bzw. Wege, die man gehen kann. Wie immer nur empfohlen mit Führer, aber dazu kommen wir noch.

Schon vor über einem Jahr haben Reiner und Bärbel uns von dieser Insel und der Pousada vorgeschwärmt, aber bisher hatten wir noch keine Gelegenheit, dort wirklich hinzufahren. Die Insel ist von uns aus ca. 140 km entfernt, das sind 2-3h Autofahrt bis nach Angra dos Reis, wo die Schiffe zur Insel ablegen.

Das ist der weitere Vorteil dieser Insel: es gibt keine Autos dort, nur Fischerboote und die Zubringerschiffe. Schön.

Nachdem wir unser Auto auf einem bewachten Parkplatz in Agra abgestellt hatten, machten wir uns auf die Suche nach "unserem" Fischerboot, dass uns in das "Chalé Mar de Sonhos" ( Chalet Meer der Träume) bringen sollte. Die Beschreibung von Fabiana, unserer Gastgeberin, wie wir das Boot finden sollen, war einfach: gegenüber der Kirche. Überraschenderweise hat es funktioniert, inzwischen sind wir ja an brasilianische Wegbeschreibungen gewöhnt. Zur Not hatten wir ja auch noch die Handynummer des Kapitäns...

Wie man sieht, gibt es ein oder zwei Boote zur Auswahhl :-) Aber wir haben das richtige gefunden:

Wir gaben unser Gepäck ab und sind noch einmal ermahnt worden, auf jeden Fall pünktlich zu sein, um 12 Uhr genau sei Abfahrt. Ok, wir sind ja Europäer, kein Problem. Nachdem natürlich auch ein paar Brasilianer mitgefahren sind, war klarerweise nicht um 12 Uhr genau Affahrt, weil noch ein einige Fahrgäste gefehlt haben. Aber schon um 12:15 ging es los, erstaunlich pünktlich. Es gibt auf die Insel einige Fähren, jedoch auf die Westseite, wo wir hinwollten, nur morgens und abends je eine Verbindung, für die Zeiten dazwischen muss man selbst etwas organisieren. Unser Boot scheint so etwas wie die Samstags-Einkauf-Fähre gewesen zu sein, es sind alle schwer bepackt eingestiegen.

Die Überfahrt dauert ca. 1,5h, es ist also doch ein Stückchen vom Festland entfernt. Am Praia Araçatiba wartete schon Fabianas Mann, Fábio, um uns in Empfang zu nehmen. Hier kam schon die erste Schwierigkeit. Wir mussten an einem Haus mit Hund vorbei. Das wäre ja nicht so das Problem gewesen, auch mit Boris, aber dieser Hund hatte zwei Wochen vorher Fabianas Rüden totgebissen. Ich bewaffnete mich also mit einem Stock, Hermann nahm Boris auf den Arm und schnell ging es daran vorbei. Geschafft. Jetzt noch ein Stückchen den Berg hinauf und eine erleichterte Fabiana und ihre zwei Hundemädchen begrüssten uns. Wir bekamen unser Haus gezeigt und die Uhrzeit für das Abendessen wurde ausgemacht.

Das Abendessen übertraf sowohl von der Menge als auch vom Geschmack alle Erwartungen. Fabianas Bruder ist Koch in Kanada, das liegt sicher im Blut.

Am nächsten Morgen sollte unsere Wanderung stattfinden. Da diese recht lange sein würde, wollten wir um 7:30 weggehen, d.h. um 6:30 frühstücken. Und so etwas nennt sich Urlaub! Aber die Mühen haben sich rentiert. Fábio ist der perfekte Führer, er ist indianische Abstammung und weiss sehr viel über die Tier- und Pflanzenwelt. Ausserdem hackt er gerne mit der Machete im Wald herum. Eben, wir sind nciht brav den Weg am Rande der Insel gegangen, nein, wir sind mitten durch den Wald. Dort gab es zwar einen Pfad, manchmal konnte man ihn auch erkennen, aber sehr oft musste Fábio rohe Gewalt anwenden. Boris war auch in seinem Element, im Wald gab es viele Spuren und er hatte Leinenhaft. Vier Stunden dauerte unser Weg vom Praia Araçatiba bis zum Praia do Sul durch den Wald. Unterwegs sahen wir ausser vielen Bäumen :-) auch Affen und Reste alter Fazendas. Fábio zeigte uns die Reste der Öfen zum Lehmbrennen und 200 Jahre alte Dachziegeln. Die Ilha war ein beliebtes Anbaugebiet für Kaffee während der Sklavenzeit. Noch immer findet man im Urwald Kaffeepflanzen. Obwohl die Ernte des Kaffees eigentlich verboten ist, gehen die Bewohenr der Insel natürlich in den Wald um ein paar Bohnen zu ernten.

Am Praia do Sul wurde erstmal ein wenig Pause gemacht, Boris war noch nicht müde und musste unbeding noch ein wenig Stöckchen spielen. Aber irgendwann war auch ihm die Bewegung zu viel.

Hier am südlichen Strand fing die Zivilisation wieder an und wir folgten brav der markierten Strecke. Auf dem Rückweg kamen wir durch zwei Dörfer, wo wir uns mit Getränken eindecken konnten, ansonsten ging es bergauf und bergab über die Hügel der Insel. Mit dem letzten Tageslicht kamen wir müde wieder in unser Haus zurück. Das war mal wieder Wandern-Satt, wie immer hat zwar mein Knie schlapp gemacht und ich habe mich die Hälfte der Strecke mit einem Stock fortbewegt, aber es war jede Sekunde wert! Danke, Fábio!

Nach dem wieder exzellenten und reichhaltigen Abendessen sassen wir noch bei einem Glas Rotwein auf unserer Terasse und genossen das Konzert der Tierstimmen um uns herum. Morgen sollte es schon wieder nach Rio gehen, Hermann muss ja Geld verdienen. Es blieb die Wahl, morgens um 7:30 mit dem Linienboot nach Angra überzusetzen oder um 16 Uhr. Nach langem Überlegen entschlossen wir uns zur späteren Fahrt, was sicher die richtige Entscheidung war. Zwar war das Wetter suboptimal mit etwas Regen, aber einen Tag mal faulenzen und sich ganz dem Muskelkater hingeben hat auch was. Die Rückfahrt mit dem "öffentlichen" Linienschiff verlief problemlos, sieht man vom heftigen Geschaukel auf grund des schlechten Wetters ab. Sicherheitshalber blieb ich an Deck, damit die Übelkeit etwas eingedämmt wurde.

Ein kleines Problem gab es noch, wir mussten ja unser Auto wieder bekommen, vom bewachten und abgeschlossenen Parkplatz. Es war fast halb acht, als wir bei m"Estacionamento" waren und natürlich war die Türe zu. Weder klingeln noch rufen führten zu irgendwelchen Reaktionen. Irgendjemand sagte uns, dass der Eigentümer auf der anderen Strassenseite wohnt, aber auch dort waren wir nciht erfolgreich. Muss ich ncoh erwähnen, dass das Telefon nicht abgenommen wurde? Schliesslich fanden wir die Visitenkarte wieder, die wir beim Verlassen des Fahrzeugs bekomemn haben. Kurz bevor die Panik zu gross wurde, dass wir jetzt in Angra gestrandet sind, hat endlich einer bei der dritten aufgeführten Nummer abghoben. Uff. 10 Minuten später sassen wir im Auto auf dem Weg nach Rio. Ohne Portugiesisch-Kenntnisse hätten wir mal wieder verloren gehabt...

Bilder