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27.06.2007

So, jetzt nur noch die Heimreise und dann ist es geschafft... Die Bilder gibt es später, wenn ich auch die von meinen Kollegen habe, versprochen. Ein paar Videos habe ich schon bei Youtube hochgeladen, die Links stehen hier.

Um 0:20 komme ich endlich ins Bett und muss um 2:30 wieder aufstehen. Rentiert sich fast nicht, aber ich bin total fertig. Mir ist schon wieder schlecht, ich überlege schon wieder, welche Papiere wohl fehlen könnten. Und diesmal fehlen sie wirklich. Als ich mit dem Hund aus dem Hotel komme (ein letzter Kampf mit den Lifttüren, mit Hund, Box und Koffer gar nicht leicht), fährt der Chauffeur schon vor. Ich ignoriere das erst mal und gehe meine Runde mit Boris. Eh nur 5 min, Boris ist ungefähr so müde wie ich.

Beim Check-In fehlen Papiere. Das ist die letzte Auswirkung des perfekt organisierten Turniers. Alle Aussteller, die um diese Nachtzeit am Flughafen sind, haben die richtigen Papiere, nur an uns Agi-Leuten ist da etwas vorbei gezogen... Dan hat mir ein Attest geschrieben, das ist aber für gar nichts, da er ja ein brasilianischer Tierarzt ist. Immerhin, morgen für den Flug von São Paulo nach Belo Horizonte hat es einen Wert. Ich werde zur Tier-Ausfuhrstelle geschickt. Vor mir ist schon ein Hund. Ich warte 20 min, die Schlange hinter mir wird immer länger und ich werde nervös. Als ich endlich drankomme, fehlt das atestado saude. Super. Ein paar der Aussteller sprechen sehr gut englisch und dolmetschen. Ist ja auch zu viel verlangt, dass der Ausfuhrmensch, der ja doch vermehrt mit Ausländern zu tun hat, englisch kann. Angeblich gibt es keinen Tierarzt am Flughafen. Komischerweise haben wir bei der Einreise alle einen getroffen, aber naja, ich bin in einer schlechten Verhandlungsposition. Der Mensch hinter dem Schalter hält mir das Telefonbuch hin. Wie stellt er sich das vor? Soll ich jetzt ohne Spanischkenntnisse irgendeinen Tierarzt anrufen? Mein Anstehnachbar, der mit seinen Hunden fast alle möglichen Titel auf der Ausstellug gewonnen hat, hilft mir. Er überredet den Beamten, doch bitte einen Tierarzt zu rufen. Inzwischen dreh ich Kreise, die Zeit rennt und irgendwann geht der Flieger. Während ich warte, werden die Aussteller abgefertigt. Alle haben alle notwendigen Papiere, die gab es nämlich ganz umsonst auf der Ausstellung. Wenn man davon wusste... Ich bleibe alleine zurück und such schon mal einen Bankomaten. Es wird sicher nicht billig, morgens um 4 einen Tierarzt auf den Flughafen kommen zu lassen. Endlich kommt er. Er untersucht Boris wirklich und will dann ca. 100 USDollar dafür. Nicht gerade geschenkt, aber ich habe keine Wahl. Ich zieh mit Boris wieder ab. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn um diese Zeit sind die Gepäckträger noch nicht wirklich aktiv und Wägelchen gibt es keine. Auch hier darf keine Hundepfote den Boden des Flughafens berühren, also zieh ich die Box mit Boris hinter mir her... Sind ja nur 200m, ächz. Ich komme zum Glück vor Schalterschluss wieder am Check-In an und gebe Boris ab. Schluck.

Der Flieger ist ausgebucht, ich habe Glück und sitze nicht neben der übergewichtigen Mexikanerin. Ich muss ihr nur das Kopfkissen aufheben, da sie sich selbst nicht hinunterbeugen kann. Noch vor dem Start kommt der Steward vorbei und fragt, ob ich die Vegetarierin bin. Bin ich. Bin schon gespannt... Diesmal funktioniert die Sache mit dem Essen fast problemlos.

Das Umsteigen in Panama funktioniert fast reibungslos. Leider lässt der Verlademensch Boris in seiner Kiste in der prallen Sonne stehen (es ist 12 Uhr mittag, und der Äquator ist nicht weit). Boris hechelt und will raus, klar. Ich schaffe es, einer Stewardess verständlich zu machen, dass mein Hund da draussen ein Problem hat. Sie räumt eine der Flugzeugtüren frei und sagt dem Herrn Bescheid. Er schafft es, die Kiste in den Schatten des Fliegers zu stellen. Grandios. Leider schafft er es nachfolgend nicht, die Box richtig in das Flugzeug zu stellen. Doch vorerst beobachte ich leicht amüsiert, was mit den teuren, steuerfrei gekauften Plasmabildschirmen etc. der Mitreisenden passiert. Steht da doch gross drauf: Zerbrechlich! Dieses Seite oben!", auf spanisch, klar. Darauf kann jedoch keine Rücksicht genommen werden beim Verladen, fast fällt der Bildschirm vom Förderband, dass er auf dem Kopf steht, muss nicht erwähnt werden, oder? Leider sehe ich nicht, wie Boris eingeladen wird... Denn auch ein lebendes Tier ist zerbrechlich. Das hindert das Bodenpersonal jedoch nicht daran, die Box auf den Kopf zu stellen. Ganz toll! Weiter so, Panama! Dabei ist die Box oben nicht eben, sie steht nicht wirklich, sollte also auffallen. Jetzt weiss ich wenigsten, warum die neuen Designerboxen wirkliche "Beulen" am Dach haben, da sollte es auch dem Dümmsten auffallen, dass die falsche Seite oben ist. Das grössere Problem ist jedoch, dass die Nippeltränke eine gewisse Gebrauchslage hat, und eben, wenn sie auf dem Kopf steht, nicht funktioniet, nicht funktionieren kann. Das End vom Lied: In São Paulo werde ich aus der Warteschlange vorm Einreiseschalter rausgeholt, weil mein Hund so nervös ist. Klar, er hat seit 8 Stunden nichts trinken können, seine Welt steht auf dem Kopf und überhaupt ist fliegen sch****. Immerhin darf ich ihn aus der Box nehmen, um die Box wieder richtig herum zu drehen. Der Flughafenmensch, wohl ein besserer Gepäckträger, managt auch den Rest für mich. Eingentlich müsste ich durch die Tierarzt-Kontrolle, er umgeht das geschickt, indem er auf den Ausgang "Nichts zu verzollen" zusteuert und ein paar Worte mit der Kontrolleurin wechselt. Alibimässig warten wir dort noch ein paar Minuten auf den Tierarzt, der natürlich nicht kommt. Klar, er hat ja ein eigenes Büro... Schliesslich schaut die Dame auf meine Papiere, ca. 10 s, alles in Ordnung :-) Mein "Betreuer" führt mich noch zu einer Dame, die Gäste für ihr Hotel anwirbt, das Hotel ist beim Flughafen, hat einen Shuttledienst und akzeptiert Hunde. Gekauft.

Val erzählt später, dass sie nicht so einen netten Betreuer hatte, sondern richtig Ärger mit dem Tierarzt. Natürlich müssen die mexikanischen Gesundheits- und Exportpapiere von der brasilianischen Botschaft beglaubigt werden, sonst werden sie nicht akzeptiert. Hatte Val natürlich auch nicht. Der Tierarzt hat sie vor die Wahl der Rückreise oder Beschlagnahme der Hunde gestellt. Aber, wer Val kennt, weiss, so geht es sicher nicht :-) Der Veterinär war sicher froh, als sie aus seinem Büro mit den Hunde Richtung Brasilien unterwegs war. Gut, dass das nicht mir passiert ist. Ich hätte mit meinem portugiesisch wohl keine Chance gehabt.

Am nächsten Morgen kommt endlich das Gesundheitsattest von Dan zur Geltung, für den letzten Hüpfer nach Belo brauche ich es noch. Boris ist zum Glück nicht traumatisiert von gestern und klettert wieder in seine Box. Nach knappen 2 Stunden sind wir in Belo und alles ist gut.

Nachsatz: Inzwischen habe ich Boris untersuchen und röntgen lassen. Er hat eine Verknöcherung am letzten Lendenwirbel, die auf die Rückennerven drückt. Es ist beginnende Cauda Equina, die zur vollständigen Hinterhand-Lähmung führen kann. Jeder Sprung verschlimmert die Situation. Am Tag der Diagnose haben wir unser letztes Agi-Training absolviert. Das war es mit Agility...

Danke für alles, Boris! Es war eine tolle Zeit!

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