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Bahia 2006

Wie schon erwähnt, beehrten uns Marc und Marta auf ihrer Hochzeitsreise. Bevor sie sich zu uns begaben, haben sie schon ein paar Tage in Rio verbracht, das gehört sich schliesslich in einem Brasilienurlaub. Nach Bahia sind sie weiter nach Manaus, um sich noch ein wenig im Urwald umzusehen, auch das ist Pflichtprogramm.

Laut Reiseführer hat Bahia ca. 1300 km Strand, das meiste davon Sandstrand und jeder Brasilianer, den man fragt, wo man denn in Urlaub hinfahren soll, sagt sofort: nach Bahia.

Blieb nur die Frage, wie wir das machen sollten. Man kann dorthin fliegen, mit dem Bus fahren oder mit dem eigenen Auto. Fliegen ist nicht so der Renner, schon gar nicht mit Boris, Bus fällt wegen Boris auch aus (er müsste im Gepäckraum untergebracht werden!), bleibt also nur das eigene Auto. Da wir aber unseren tollen Gol mit den australischen Freunden teilen, konnten wir nicht mit dem Gol fahren. War auch ganz gut so, wir hätten sonst schwere Platzprobleme mit dem Gepäck gehabt. Was lag also näher, als ein eigenes grosses Auto zu kaufen. Und da hier massenweise VW-Busse herumfahren, sollte es so einer sein. Tagelang klapperte ich die Autohändler ab, bis ich unser Traumauto fand:

Eine Kombi, wie es hier heisst, BJ 1993, Modell 1994

Genug Platz für alle, und schlafen kann man auch gut während der Fahrt, dafür muss man halt mit 80 km/h zufrieden sein. Hat man mehr Zeit, die Landschaft zu geniessen. Wir haben noch die dunkelstn verfügbaren Folien auf die Scheiben kleben lassen (fährt sich super, wenn es draussen dunkel ist, gmpff), einen Ölwechsel gemacht und waren startklar.

Montags geht es los, 4 Personen und ein Hund, es war klar, dass an eine Abfahrt vor Mittag nicht zu denken war. Wir haben jedoch schon die Stadt um 11:30 verlassen. Das erste Ziel, Governador Valedares, liegt nur 330 km entfernt, es ist aber schon dunkel, bis wir dort ankommen. Im Hotel wollen sie erst Boris sehen, bevor wir ein Zimmer mit Hund bekommen (das war das grösste Problem in diesem Urlaub: die Zimmersuche mit Hund). Nossa! Boris hat natürlich überzeugt mit seinem belämmerten Blick. Wir nehmen gezwungenermassen das Luxuszimmer mit Klimaanlage und Balkon. Der Balkon ist für den Hund, wie die recepcionista sagte. Uns wird nicht ganz klar, ob der Hund jetzt auf dem Balkon bleiben muss oder es einfach besser ist, wenn der Hund auch den Balkon zur Verfügung hat. Wir entscheiden uns für die zweite Variante, zumal der Balkon noch vom letzten Regenguss geflutet ist. Wie immer, der Abfluss sitzt sicher nicht an der tiefsten Stelle. Das Zimmer ist total gefliesst, Boris kann also sowieso keinen Schaden anstellen.

Am Abend suchen wir lange, bis wir etwas adäquates zum Essen finden. Als wir gerade aufgeben wollen, entdecken wir die Strasse der Restaurants. Es gibt sogar englische Speisekarten (warum auch immer, dort gibt es sicher keine Touris), die uns aber mehr verwirren als weiter bringen.

Das Frühstück am nächsten Morgen ist gut und reichlich, es gibt unter anderem 5 verschieden Kuchen zur Auswahl. Unsere Kombi ist die erste, die jemals in der Hotelgarage stand...

Wir kommen etwas früher weg als gestern, bis wir aber auf der Post und Einkaufen waren, ist es wieder halb elf. Heute wollen wir bis Alcobaça, wir wollen endlich ans Meer. Das sind mehr als 400 km, wir müssen Gas geben, so gut es eben geht. Die Kupplung der Kombi fängt sicherheitshalber im 4. Gang an durchzurutschen, das lässt hoffen... Ab der Grenze zu Bahia sind die Strassen wesentlich schlechter, es gibt viele Schlaglöcher, so richtig grosse und die Mittellinie ist auch wegationalisiert. Wir kommen an viel Landschaft vorbei, grosse Fazendas und seltsame schwarz Felsen. Die Tankstellendichte nimmt ab, demnächst werden wir wohl jede Möglichkeit zum Tanken nutzen müssen. Immerhin braucht die Kombi nur 12l/100km und etwas Öl, es ist also noch erträglich.

Wir schaffen es bis ans Meer, die letzten km im Dunkeln. Macht Spass, keine Strassenmarkierung, dafür Schlaglöcher, gemeine Bodenwellen zur Geschwindigkeitsreduzierung und viele Radfahrer ohne Licht. Die erste Pousada in Alcobaça ist uns. Boris ist kein Problem, höchstens die neugierige und freche dreifärbige Katze :-).

Eigentlich ist Alcobaça ein Ferienort, nur momentan ist keine Saison, also tote Hose. Am Strand finden wir ein Restaurant, das offen hat. Zuerst sind wir die einzigen Gäste mit einem sehr routinierten Garçon, der ständig seinen Chef fragen muss... Und es gibt keinen Cachaça für den Caipirinha, nur Wodka und das reichlich. Gut war's!

Der Tag beginnt mit Joggen am Strand, zum Glück ist es bewölkt. Das heutige Frühstück haut keinen aus den Socken (aber die Übernachtung für 2 kostet nur 45 R$, keine 20 €), es gibt gut gezuckerten Kaffee, bäääh, wässrigen Manga-Saft, Wurst, Käse und gesalzene Butter. Keine Marmelade, keinen Kuchen. Das ist die erste Pousade, die ich erlebe, die keinen Kuchen zum Frühstück hat. Aber wir überleben es und beschliessen, den Rest für Morgen selbst einzukaufen. Auch mit Toilettenpapier wird gespart, wir teilen uns die mühsam erbettelte 2. Rolle. Ein Dorfspaziergang zeigt die wahre Grösse von Alcobaça, wir sind eine ganze Weile unterwegs. Und momentan wohl wirklich die einzigen Touristen, schön. Morgen wollen wir aber doch weiter nach Porto Seguro, der Geburtsstätte Brasiliens, wir brauchen einen Bankomat.

Am Abend probieren wir noch den sala dos jogos aus, das Spielzimmer mit Billard, Tischtennis und Tischfussball. Wir brauchen eine Weile bis wir die notwendigen Bälle und Kugeln aufgetrieben haben, dafür wird es dann sehr lustig. Ein Tischtennisball mit Loch hat seinen ganz eigenen Reiz, und das lag nicht nur am konsumierten cerveja.

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