Kontakt: kontakt@cpatzig.de

Diamantina

Es wird Zeit, dass ich Euch mal die Gegend zeige...

Diamantina ist eine alte Kolonialstadt, um 1710 gegründet, Endpunkt der königlichen Strasse "Estrada Real". In der Gegend um Diamantina wurden Gold und natürlich Diamanten abgebaut und über die Estrada Real in die beiden Häfen von Rio de Janeiro und Paraty transportiert. In den letzten Jahren wird versucht, die Estrada Real für touristische Zwecke wieder "auferstehen" zu lassen. Es gibt zumindest für die Teile in Minas Gerais einen gedruckten Führer, dessen bunten Bilder von tollen Pfaden durch die Landschaft uns zum Kaufe verlockten. Leider sind die Pfade immer mindestens zwei Autos breit...

Sei's drum, Diamantina ist ein nettes Städtchen aus der Kolonialzeit mit vielen Touristen im Sommer und zum Glück wenigen im Winter. Es liegt ca. 300 km nördlich von Belo Horizonte und man braucht mit unserem Gol ca. 4 h bis hin, auf der schnellsten Verbindung. Den Rückweg haben wir etwas umständlicher gestaltet und waren so den ganzen Tag unterwegs. Während die Hauptstrassen gut ausgeschildert sind, man alle Abzweige problemlos findet, versagt die Markierung in den Städtchen völlig. So haben wir in Serro und Concecão do Mato Dentro jeweils eine mühsame Stunde verbracht, bis wir die richtige Ausfahrt gefunden haben. Erschwerend kam hinzu, dass die brasilianische Nationalmannschaft gerade gegen ich-weiss-nicht-mehr-wen gespielt hat und die Stassen leergefegt waren, so dass wir keine Einheimische fragen konnten, wo es denn weitergeht. Irgendwie haben wir es aber zum Glück geschafft.

Wir verbrachten das Wochenende 8 km ausserhalb von Diamantina, direkt an der Estrada Real, in einer neu erbauten Estancia do salitre. Es gab dort 4 kleine Hütten mit jeweils vier Zimmern, ein grosses Restaurant mit Platz für 200 Leute, ein Badeteich (den Boris begeistert genutzt hat) und zwei Fischteiche. Freitags waren wir die einzigen Gäste, wir haben uns etwas alleine im Restaurant gefühlt, am Samstag fand dort jedoch ein Geburtstagsfest mit min. 200 Gästen statt, da sah es etwas voller aus. Aber wir waren ja nicht zum Essen dort sondern wollten endlich mal richtig wandern. In Google-Earth haben wir schon Pfade erkannt, jetzt wollten wir wissen, ob es sie wirkich gab ( die Koordinaten der estancia für die ganz Neugierigen: Breite: 18°16'8.06"S, Länge: 43°32'8.95"W, wir wohnten im ersten Haus neben dem Weg...). Eine Befragung des Gastgebers ergab, dass man wirklich wandern kann, eine schöne Rundtour, erst durch den Wald auf einem schmalen Pfad und den letzten Teil dann auf der Estrada Real, und nach 3 Stunden spätestens ist man wieder zu Hause. Das hörte sich gut an! Der freundliche Hausherr zeichnete sogar noch eine Karte für uns, damit wir uns sicher nicht verlaufen, ausserdem mussten wir ihn beruhigen, dass wir uns mit Bergen (ha, da sind ja nur Hügel...) auskennen. Ist ja nicht so einfach für die Grossstädter, soviel Natur auf einmal.

Einschub: Ich leide in Brasilien, da es keine gescheiten Landkarten gibt, keine Strassenkarten, und Wanderkarten schon gar nicht. Ich, die ich zu Hause eine riesige Sammlung an Karten habe, mir für jede noch so kleine Tour die richtige Karte kaufe, habe hier Pech. Gerade mal einen Stadtplan von Belo Horizonte gibt es. Die Strassenkarten sind ein Witz, nichts mit Generalstabskarte oder so etwas. Meine letzte Rettung ist Google-Earth und das Überschreiben der gefundenen Koordinaten ins GPS... Das allerdings hat uns in Diamantina die Suche nach dem Hotel sehr erleichtert, weil, wie oben schon geschrieben, gibt es in en Dörfen keine Wegweiser...) Einschub Ende

Gemütlich sind wir also losgezockelt, und, wie Ihr auf den Bildern sehen könnt, war die Gegend wirklich nicht so schlecht. Nach dem Pfad durch den Wald ging es für ca. einen Kilometer auf der Sandpiste der Estrada Real dahin bis wir den Abzweig zur Diamantenwaschanlage gefunden haben. Dort hofften wir, dass wir über den Hügel direkt zum Hotel zurück kommen, aber oben auf dem Kamm, nachdem wir einem nur schwach erkennbaren Pfad gefolgt waren, mussten wir feststellen, dass es nix wird mit der Abkürzung. Auch wenn es auf den Bildern nicht so aussieht, aber durch den Pflanzenbewuchs gab es teilweise kein Durchkommen, es war eher so wie auf Sardinien, wo auch im Wanderführer stand: "Nehmen Sie am Besten Handschuhe und eine Gartenschere mit, damit Sie sich den Weg freischneiden können". Hatten wir natürlich beides nicht mit, noch nicht mal eine Machete :-) Mussten wir also nach dem Blick auf zu Hause doch wieder umdrehen und langweilig die Strasse entlang gehen. Es ist aber ein Erlebnis der besonderen Art, als Fussgänger auf Strassen entlang zu gehen. Da hier nur der zu Fuss geht, der sich kein Auto leisten kann, müssen die anderen im Auto keinerlei Rücksicht nehmen auf die Fussgänger, weil das ja arme Schlucker sind. Also sind die Autos mit einem Abstand von einem halben Meter an uns vorbeigeholpert. Das lag aber nicht daran, dass Gegenverkehr gewesen wäre, eher das Gegenteil. Ausserdem wurde noch mal so richtig Gas gegeben, damit die Sandwolke auch recht gross ist. Wunderbar! Nachher war es wie nach einem Tag am Strand: überall Sand.

Trotzdem war es ein wunderschöner Ausflug, die meiste Zeit waren wir immerhin alleine auf unseren Pfaden unterwegs.

Ind der Nacht konnten wir, nach dem sich die Geburtstagsgesellschaft endlich aufgelöst hatte, noch einen wunderschönen Sternenhimmel bewundern. Im Norden war der Grosse Wagen zu sehen und im Süden das Kreuz des Südens. Dazwischen gab es mehr Sterne als ich jemals gesehen habe, Wahnsinn.

Einen einzigen Wehmutstropfen gab es bei dem ganzen Ausflug: Am Montag entdeckte ich eine Zecke auf Boris (trotz Scalibor-Halsband), dann noch eine, und eine ganz kleine und noch eine kleine... Nach fünf Stunden hatte ich ca. 300 Nymphen von ihm gesammelt, alle schon festgebissen. Der arme Hund. Er muss wohl an einem "Nest" vorbeigekommen sein. Ich habe im Internet gelesen, dass eine "Zeckin" bis zu 3000 Eier legt. Da war ic froh, dass Boris nur 300 abbekommen hat. Er war während der Zeckenentfernung übrigens super geduldig, hat nie gezappelt oder sich sonstwie gewehrt. Jetzt hoffe ich nur noch, dass keine davon mit Borrliose oder sonstigem infiziert war... aber bis jetzt ist noch nichts zu merken.

Achja, wer mehr über die Estrada Real und Diamantina wissen will, braucht nur zu googlen und ein bisschen Portugiesisch lernen :-)

Bilder