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Eine Geschichte habe ich euch noch verschwiegen...

Auch hier in Brasilien spielt die Bürokratie eine wichtige Rolle, wie leider überall auf der Welt.

Reist man nach Brasilien nicht als Tourist sondern mit einem richtigen (wichtigen?) Visum ein, muss man sich nach spätestens 30 Tagen bei der Bundespolizei gemeldet haben. Dort wird man registriert und bekommt irgendwann einen Fremdenausweis. Soweit die Theorie.

Kurz vor Ablauf der Frist hat die Sekretärin von Hermann's Projekt ihre Schäfchen um sich gesammelt um den gemeinsamen Gang zum Amt anzutreten. Im ersten Versuch waren wir zu Viert, Hermanns irisch-australischer Kollege Tony und seine australische Frau Susan, Hermann und ich und natürlich Denise, die die Prozedur für alle Mitarbeiter und Angehörige organisiert. Frohgemut fuhren wir durch dichten Berufsverkehr zur Policia Federal. Zu Fuss wäre ich in ca. 20 min. dort gewesen, bin dem Auto dauerte es eine Dreiviertelstunde. Dort die Enttäuschung, 1 zuständiger Beamte krank, 2 ein Urlaub und der verbleibende, ja, wie schreib ich´s nur, nun, der verbleibende hat sich schnell ausgerechnet, dass sein pünktlicher Feierabend durch den plötzlichen Ansturm von "estrangeiros" akut gefährdet ist und meinte, dass das heute sicher nichts mehr wird und wir doch bitte übermorgen wieder kommen sollen. Es war nun nicht so, dass sich die Ausländer dort gestapelt hätten, aber er hat die Macht. Na gut, wir unsere Sachen wieder gepackt und heimgefahren.

Neuer Versuch zwei Tage später. Diesmal keine krankheitsbedingte Ausfälle, es wäre auch schlecht gewesen, da für Hermann, Susan und Tony die Frist fast abgelaufen war. Nur ich hatte noch eine Woche "Luft", die ich, wie ihr noch sehen werdet, auch brauchte. Die ersten Schwierigkeiten tauchen auf. Tony und Susan haben bei der Einreise in Rio leider den falschen Stempel in den Pass bekommen, nämlich einen Ausreise- statt Einreisestempel. Zum Glück unterscheiden sich die beiden Stempel nur durch den Zahlencode, das macht die Kontrolle durch den Betroffen doch viel einfacher :-) Also, für die Einreise muss die letzte Stelle der Nummer eine "1" sein, bei der Ausreise ist es eine "2". Unsere australischen Freunde befanden sich sozusagen gar nicht in Brasilien. Sah man ja auch, es waren nur ihre Astralleiber dort. Oder so. Schweres Problem, wie können sie nachweisen, dass sie wirklich hier sind? Am Ende der langen Diskussion können sich alle einigen, dass Denise beim nächsten Besuch der policía federal das Flugticket der beiden mitbringt. Auf die Tickets einer australischen Fluggesellschaft kann man sich halt mehr verlassen als auf einen brasilianischen Stempel. Tony und Susans Papiere werden weiter bearbeiten. Als nächstes ist Hermann an der Reihe. Er hat von der Botschaft in Deutschland ein Visum bekommen, dass länger gültig ist als sein Reisepass. Doch dies stellt sich als kleinere Schwierigkeit heraus, es wird nur kurz diskutiert, das war´s. Auch er darf seine Fingerabdrücke abliefern. Nun kam ich. Alle hatten ihre Visumsanträge auf einem beidseitig bedruckten Papier. Nur ich nicht. Ich hatte meinen Antrag im Internet heruntergeladen und auf zwei Seiten ausgedruckt. Stand nirgends, dass das falsch ist. Wäre ja auch richtig gewesen, immerhin haben sie es in Zürich auf der Botschaft nicht bemängelt, hätte nur Denise beide Seiten aus ihrer Schublade genommen. Somit musste ich eine Runde aussetzten, und, ja, richtig, eine Woche später wieder kommen. Immerhin, 3 von 4 waren erfolgreich.

Eine Woche später. Diesmal kommt Thomas mit, Denise sowieso. Thomas hat lange blonde Haare, was zu ständigen Fragen führt, ob wir nicht Geschwister seien. Nein, sind wir nicht. Bei Thomas geht alles glatt, diesmal sollte es aber auch bei mir funktionieren, inzwischen sind auch meine 30 Tage fast abgelaufen. Dummerweise habe ich in meinem nagelneuen Reisepass meinen Doktortitel eintragen lassen. Ich weiss nicht, welches Teufelchen mich dabei geritten hat. Ich wusste bei der Antragabgabe schon, dass das keine gute Idee ist. Und hier ist der Beweis. Wo schreibt man den Titel in die Formulare. Vor den Vornamen, beim Nachnamen, davor, dahinter, keine Ahnung. Also habe ich es beim Visumsantrag ausgelassen. Ist ja auch nicht so wichtig. Falsch gedacht. In der Schweiz ist es keinem aufgefallen, in Brasilien schon. Wieso steht da beim Nachnamen Dr. Patzig und im Antrag nur Patzig. Was bedeutet das? "Heissen Sie schon seit Geburt so?" Schön wär´s, wenn das mit dem Dr. so einfach ginge... Irgendwie erinnerte mich die Geschichte an unsere Fahrt nach St. Petersburg vor zwei Jahren, wo wir bei der Einreise in der Rubrik Auto "Mercedes" geschrieben haben und bei der Ausreise festgestellt wurde, dass in den Fahrzeugpapieren "Daimler-Chrysler" stand. Es konnte sich also nicht um das selbe Auto handeln, eh klar. Na gut, nach einer halben Stunde intensiver Diskussion und Nachfrage haben die Brasilianer eingesehen, dass das Dr. nicht so wichtig ist, zum Glück. Ich durfte meine Fingerabdrücke abgeben und habe eine Woche später meinen vorläufigen Ausweis, ein Papierstreifen von ca. 4 x 20cm (ein überaus praktisches Format) in den Händen gehalten... Auf den richtigen Ausweis warte ich noch, aber es sind auch erst zweieinhalb Monate vergangen.

Überraschenderweise habe ich neulich bei meinem Europaflug diesen Papierstreifen für die Aus- und Einreise vorzeigen müssen. Rein zufällig hatte ich ihn dabei.

Diesmal gibt es nur ein paar Stadtbilder, sie passen zwar nicht zum Thema, aber bei der Polizei wäre es sicher nicht geschickt gewesen zu fotografieren. Wahrscheinlich wäre ich dann noch immer dort ...

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