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Nun haben wir unseren ersten Ausflug hinter uns gebracht. Jede Menge Deutsche, ein paar Brasilianer, zwei Australier , ein Österreicher :-) und ein Hund. Es war sozusagen eine Massenwanderung, wobei natürlich nicht alle gewandert sind. Brasilianer gehen nicht zu Fuss, alles was weiter als 5 Fussweg ist, wird mit dem Auto oder dem Taxi erledigt. Kein Wunder, bei den Stöckelschuhen, die die Frauen tragen. Und die Männer sind eh zu faul für soetwas. Wir haben uns also in die Autos gequetscht und sind eine gute halbe Stunde aus der Stadt herausgefahren, um mitten im "Dschungel" einen Ausflugs-Gasthof anzusteuern. Dort angekommen, haben uns nette Parkplatzeinweiser ein schönes Plätzchen zugewiesen (Schweizer Zustände! Ohne Parkplatzeinweiser kann hier keiner parken, sogar in der Innenstadt gibt es sie!). Die Brasilianer und -innen haben geschlossen das Gasthaus gestürmt, während alle anderen sich zum Fussmarsch aufgemacht haben. Ein Deutscher (nein, diesmal war nicht ich es...) hat grossartig erzählt, in 1,5 h Entfernung gibt es einen Wasserfall. Wir sind also guten Mutes gestartet, in der Hoffnung auf eine ruhige Wanderung mit einem tollen Ziel. Nach einer Minute kamen uns die ersten Endurofahrer entgegen. Es kamen Zweifel auf, ob die Wanderung wirklich ruhig werden wird. Wurde sie natürlich nicht, wir sind ja nicht umsonst in Brasilien. "Barulento" ist ein ganz wichtiges Wort und heisst... laut, natürlich.

Im Minutenabstand kamen nun Enduros von vorne oder Autos von hinten, wobei der Weg etwas breiter als ein Auto war und Platz für Fussgänger von motorisierten Verkehrsteilnehmern nicht wirklich vorgesehen wird. Schön. Wir befanden uns im Erzabbaugebiet, überall ist roter Sand und es ist Trockenzeit. Was passiert nun, wenn ein Auto oder Moto vorbeifährt? Richtig, eine rote Staubwolke zieht durch die Gegend. Langsam senkt sich der Staub, der Mund wird trocken und es knirscht zwischen den Zähnen. Sehr empfehlenswert.

Immerhin sahen wir einen riesigen blau-blitzenden Schmetterling, leider hat er nicht gewartet, bis wir alle die Fotoapparate gereinigt hatten... Vorbei ging es an einigen Wochenendhäuschen, natürlich alle gut bewacht von mehreren Hunden, was uns doch immer auf gute Zäune hoffen liess. In einem Garten tummelten sich 4 Rottweiler und ein Filo brasiliero, diese 5 hatten es jedoch nicht nötig, bellend zum Zaun zu schiessen, majestätisch haben sie uns aus der Ferne zugesehen, wie wir durch den Sand stapften. Boris hat sich tapfer geschlagen, er hat immer so getan, als würde er gar keine anderen Hunde sehen :-). Und dann kam der Labbi. Nein, eigentlich waren es zwei, ein riesiger Rüde und sein junger Kollege. Der alte hatte ein Halsband, damit konnte ich ihn abfangen, bevor er Boris begrüssen konnte. Sein Besitzer hat ihn dann abgeholt. Der kleine Schwarze war "nackt" und ist freudig auf Boris zugewackelt. Er war ca. ein halbes Jahr alt und somit konnte Boris ihn tolerieren, zum Glück, denn der Kleine beschloss, mit uns mit zu wandern. Seinem Besitzer war es offensichtlich egal, und wir sind ihn nicht mehr los geworden. Also haben wir auf ihn aufgepasst und bei jedem Fahrzeug an den Rand gerufen.

Nach den versprochenen 1,5 Stunden war kein Wasserfall in Sicht (nein, ich war wirklich nicht für die Routenplanung verantwortlich...) und erster Unmut machte sich breit. Statt Wasserfall erreichten wir nur eine asphaltierte Strasse. Unser Wegkundiger murmelte etwas, dass es von hier aus nur noch 1,5 h seien. Wie bitte? Noch mal so weit und dann alles wieder zurück im Staub? Und jetzt auch noch an der Strasse entlang, die wirklich viel befahren war? Nein, der Entschluss stand fest, wir kehren um. Während wir das ausdiskutierten, hatte ich das Ende der Flexileine unserem 2. Hund um den Hals gelegt, damit er nicht auf die Strasse springen kann. Er fand das jedoch nicht so toll und hat sie innerhalb von wenigen Sekunden durchgenagt, grmpf. Zwei Einheimische kamen daher (sie sahen zumindest wie Ortskundige aus, immerhin waren sie zu Fuss, konnten also nicht von weit her sein, s.o.) und wurden befragt, ob es noch andere Wege gäbe ausser dem, auf dem wir gekommen sind. Jaja, kurz an der Asphaltstrasse entlang und in 10 min seid ihr wieder am Startpunkt. Hörte sich verlockend an, die Aussicht, bald an ein kühles, äh, eiskaltes, Bier zu gelangen, überzeugte alle. Nur Hermann, Boris, unser Fundhund und ich beschlossen, den gleichen Weg wieder zurückzugehen, weil wir ja den Kleinen nicht überall hin mitnehmen wollten. Gesagt, getan, unsere Gruppe teilte sich. Wir im Staub, die anderen auf dem Asphalt bzw. Strassenrand.

Eine halbe Stunde später sind wir unseren Hundezuwachs wieder losgeworden, obwohl der kleine nicht wirklich wollte. Aber am Tag vorher haben wir beim Agility eine wichtige Vokabel gelern: ficá! Das heisst ganz einfach bleib! und hat überraschenderweise gewirkt. Mit nur einem Hund kamen wir in der geplanten Zeit am Startpunkt an, wo uns die anderen erzählten, dass die Abkürzung doch ganze 10 min eingespart hat, womit wieder einmal bewiesen ist, dass man Locals gar nicht erst zu fragen braucht.

Achja, eigentlich deutet der Name "Macaco" auf kleine Affen hin, aber es war eh klar, dass wir dort keine sehen werden. Das ist auch so ein Gerücht...

Macaco