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So, dies ist nun der zweite Bericht.

Erst einmal vielen Dank für die vielen emails, ich weiß, ich hinke mit der Bearbeitung etwas hinterher. Gebt mir noch etwas Zeit. Ich hoffe, ihr habt den Wintereinbruch gut überstanden. Ich schreibe jetzt nix von 28°, o.k.?

Inzwischen habe ich den Überblick über unsere Wohnung gewonnen, lacht nicht, es war gar nicht so einfach. Ich verstehe einfach Architekten nicht... Wir haben zwei Bäder und insgesamt 4 Toiletten, bei 4 Zimmern ist das kein schlechter Schnitt, oder? Jede zweite Tür, die man öffnet, ist ein WC. Eine ist reserviert für das Hausmädchen, es ist die kleinste, eine ist im 1. Stock, sehr praktisch, da muss man nicht diese seltsame Treppe sooft rauf und runter, die beiden letzten sind in die Bäder inkludiert. Apropos Bäder: Es gibt hier keine Warmwasseraufbereitung, also wird das Wasser direkt am Hahn erwärmt. Im Normalfall steckt im Duschkopf eine Art Durchlauferhitzer, was strommässig nicht so ganz ungefährlich sein soll. Bei uns versteckt sich die Elektrik hinter der Wandabdeckung, sicherheitshalber will ich gar nicht wissen, wie es dahinter aussieht.

Grundsätzlich werden auch hier die grossen Elektrogeräte mit einer Erdungsleitung ausgeführt, in unserer Wohnung gibt es jedoch keine Steckdose, die einen wie auch immer gearteten dreipoligen Stecker aufnehmen könnte. Aber dafür gibt es ja Adapter. Am Kühlgitter des Kühlschranks hängt ein Kabel mit dem Sicherheitshinweis, dass es unbedingt geerdet werden muss, aber leider ist es nur um das Gitter gewickelt. Dafür kann man den Kühlschrank total auf Minustemperatur einstellen, nicht nur das Eisfach. Am Samstag war nämlich eine Party bei uns (ich habe noch nie auf einer Party bei mir zu Hause so wenig Leute gekannt und verstanden...), und das Bier muss hier eiskalt, also knapp vor dem Biergefrierpunkt, sein. Am nächsten Morgen habe ich erst mal die Melone wieder auftauen müssen.

Die Müllentsorgung funktioniert hier fantastisch, man stellt einfach seine Müllsäcke an den nächsten Baum oder in eine der "Mülltonnen", ein- bis zweimal am Tag kommt das Müllauto. Da sind drei Müllmänner drauf, die den Müll einsammeln, so dass das Auto gar nicht anhalten muss. Bei den Bergen hier ist das eine Wahnsinnsleistung, immer von Müllberg zu Müllberg zu rennen.

Jeden Morgen werden die Gehsteige von den jeweilige Anrainer-Hausmädchen bzw. Hauswarten (Abwarten) gereinigt, alles in allem ist es also eine sehr saubere Stadt.

Hermann´s Firma übernimmt einen grossen Teil der Einrichtungskosten der Wohnung. Dazu benötigt man eine besondere Art der Rechnung der Geschäfte. Was sich so einfach anhört und in A/D/CH sicher auch gar kein Problem darstellen würde, ist hier ein unüberwindbares Hindernis. Die Firma hat jedem Mitarbeiter ein Schreiben mitgegeben, auf dem in Portugiesisch und Englisch steht, welche Art von Quittung es sein muss, nämlich Nota Fiscal Modelo 1. Sollte ja alles klar sein. Nicht so hier. Es gibt endlose Diskussionen, ob das wirklich sein muss. Wenn man sich dann nach 5 min darauf geeinigt hat, dass es sein muss, verschwindet jemand mit dem Kassenzettel um dann nach einiger Zeit wieder zukommen und zu sagen, dass das System leider einen Fehler hat und die Nota Fiscal leider nicht auszustellen geht. Nach der Drohung, dass man jetzt die gekauften Sachen zurückgibt, gibt es immerhin den Lösungsvorschlag, morgen die Nota Fiscal abzuholen. Aber wieder 10 km zu dem Geschäft fahren wegen einer Quittung? Unmöglich, zumal morgen sicher keiner etwas davon weiß, und Englisch spricht sowieso kein Mensch. Das Ende vom Lied ist, dass heute angeblich ein Kurier die Nota Fiscal vorbeibringt. Bis jetzt war er noch nicht da...

Das normale Einkaufen für den täglichen Bedarf funktioniert total problemlos, es gibt wirklich alles...

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