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Agility in Brasilien

Dank guter Vorarbeit und unter Ausnutzung aller internationaler Kontakte (danke, Anna!) habe ich es geschafft, nach 2 Wochen Brasilien das erste Mal auf einem Agility-Platz zu stehen. Das ist neuer persönlicher Rekord, in der Schweiz hat es zwei Monate gedauert (nein, jetzt kommt keine Anspielung, dass in der Schweiz alles langsamer geht, niemals würde ich mich so etwas trauen :-)). Leider ist der Platz am anderen Ende der Stadt, das bedeutet bei wenig Verkehr eine dreiviertel Stunde Autofahrt, aber hier ist nie wenig Verkehr. Aber man kann nicht alles haben...

Es wird zweimal die Woche trainiert, wobei man es sich aussuchen kann, wie oft man kommen möchte. Ganz klar, ich trainiere zweimal. Leider kann der Trainer kein bzw. nur sehr wenig Englisch (ungefähr gleich viel wie ich Portugiesisch), aber die paar Vokabeln versteht man schnell: Fica! heisst bleib (auch hier gibt es aufgedrehte Border) und chama! heisst Ruf!, wenn der Hund mal wieder schneller war als man selbst und die Strecke selbst gewählt hat. Aber das sind natürlich Vokabeln, die ich mit Boris nie und nimmer brauche :-)

Der Agi-Platz ist eigentlich ein (sandiger) Fussballplatz, d.h. er ist schön eben und super rutschig, aber das ist nur eine Sache der Übung, oder so. Nachdem es hier ja etwas wärmer ist als ind D/A/CH, wird auch bei Hitze trainiert, sonst könnte man nur ein 3 Monate pro Jahr etwas mit dem Hund tun. Für Boris mit dem Winterfell waren jetzt die ersten Trainings sicher grenzwertig, aber es gibt viel Wasser um den Hund zu fluten und ausserdem habe ich ihn nur auf Medium springen lassen. Es werden auch nicht explizit Sequenzen geübt, sondern einfach ein Parcours gelaufen. Bei Fehlern wiederholt man den Abschnitt. Nach zwei Läufen ist der nächste dran und man wartet, bis alle durch sind. Dann gibt es noch einen Lauf und fertig ist das Training. Dadurch, dass die Hürden auf Medium standen, war Boris noch einen Tick schneller, was irgendwie dazu führte, das wir es noch nicht auf Anhieb geschafft haben, einen Parcour ohne El zu laufen. Etwas peinlich. Im 3. Durchgang war aber Boris jeweils so kaputt, dass ich hinterherkam, immerhin. In den Pausen liegen die Hunde unter den Bäumen im Gras, so ist die Hitze nicht ganz so schlimm. Es hat mich zum Nachdenken über unser jährlich wiederkehrendes Hitze-Gejammer gebracht, so von wegen es ist Tierquälerei, im Sommer mit dem Hund zu trainieren oder gar auf Wettkämpfe zu fahren. Das würde bedeuten, dass in Ländern wie Brasilien gar nie Wettkämpfe stattfinden dürften. Und in Australien dürfen die Schafe auch nur im Winter zusammengetrieben werden...

Doch wieder zurück zum Agi. Die Hindernisse sind überraschenderweise ziemlich gleich, nur liegen statt der zarten Holzstangen Eisenrohre zwischen den Flügeln. Diese Rohre liegen auch nicht auf den Auflagen sondern werden auf die Auflagen aufgesteckt. Hört sich recht massiv an, hat mich auch zuerst etwas geschockt, aber die durchgeknallten Border haben sich nicht vom Umräumen des gesamten Hindernisses abhalten lassen. Boris hat es auch geschafft, trotz Medium-Höhe. Für die Anfänger gibt es aber schon auch Holzstangen, da fangen aber auch die grossen Hunde mit Small-Höhe an. Passiert ein Führungsfehler, wird nicht gestoppt und nur die Sequenz noch einmal wiederholt, nein, es wird sozusagen eine Schleife über ein paar "unbeteiligte" Hürden gedreht und die schwierige Stelle noch einmal probiert. Dadurch wird der Hund nicht herausgerissen und bleibt motiviert, denn der Fehler liegt ja doch eher beim Mensch und nicht beim Hund. Eine Kollegin hat nach jeder fallenden Stange ihren Hund (ein Border, was auch sonst) Platz machen lassen, ob es das bringt, sei mal dahingestellt, der Hund lag ziemlich oft im Sand bei einem Durchlauf. Die Eisenstangen sind vielleicht doch nicht das Allheilmittel gegen fallende Stangen.... Aber die Border sind auch hier alle etwas durchgeknallt, irrer Blick, und nur rennen, rennen, rennen. Bin ich froh mit meiner Schnecke...

Manchmal ist der Hund schneller als der Fotoapparat...