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07.12.2006

5. und 6. Etappe

Freitagmorgen, 6 Uhr. Ich stehe, besser: sitze auf meinem Klappstuhl, und warte auf Marcos, der mich abholt, damit wir gemeinsam nach São Paulo fahren können. Ganz gegen die üblichen brasilianischen Gepflogenheiten ist er relativ pünktlich, immerhin. Der Hänger ist schon vollgepackt mit 6 Hundeboxen, wir schlichten ein wenig um, damit Boris auch noch ein Plätzchen findet. Gefallen tut es ihm nicht, ringsum lauter Rüden, aber da muss er durch, das Schatzili. Im Auto ist es etwas gemütlicher, zumal Adrea, Marcos' Frau erst morgen früh mit dem Bus in SP ankommt. Nach 10 Minuten stehen wir im ersten Stau, das ist das angenehme an den Grossstädten hier, es gibt keine staufreie Zeit, grmppfff. Ein Lastwagen hat die Betonabtrennung an einer Ausfahrt übersehen (-schlafen) und hat seinen Brummi auf der Betonwand geparkt. Statt drei Spuren gibt es nur eine, es ist klar, dass es staut. Nach dieser Engstelle geht es jedoch flott vorwärts, die Strasse nach SP ist durchgehend 2 spurig und sieht man von den Schlaglöchern ab, gut zu fahren. Auch der Verkehr ist nicht so dicht. Bei unserer ersten Pause merken wir, dass das Differential etwas Öl verliert, d.h. der HÄnger ist von einem Ölfilm überzogen. Prima, das lässt hoffen. Zum Glück gibt es hier bei jeder Autobahntankstelle eine Werkstatt. Es wird Öl nachgefüllt und weiter kann es gehen. Jedoch, nach 200m bremst Marcos. Was ist passiert? Manchmal wäre es schon gut, wenn ich ein bisschen besser portugiesisch könnte... Marcos hat im Rückspiegel einen Hundekopf über die Wand des Hängers schauen sehen. Sheltie, der Sheltie (wie sinnig :-)), ist ein Ausbrecherkönig. Ihm ist es schon wieder gelungen, die Tür der Box aufzumachen und ein wenig frische Luft zu schnuppern. Gut, dass Marcos das gleich gesehen hat! Sheltie wird eingesammelt und darf im Auto weiter mitfahren.

Irgendwann in der Hauptverkehrszeit kommen wir in SP an und stauen uns Richtung Veranstaltungshalle, um dort auf dem Teppich ein wenig zu trainieren. Gegen 5 Uhr ist es endlich geschafft, wir können auch sofort auf den Platz. Das ging fast ein wenig zu schnell, ich habe keinen Ball, keine Leckerlies und überhaupt. Immerhin habe ich keine FlipFlops an... Dafür sitzen die Hasen der Kleintierausstellung nur 5 m vom Ring weg. Das ist einfach optimal für Boris :-) Aber zum Glück geht ihm inzwischen Agi über alles.

Der Boden ist ein roter Teppich, der am Boden festgeklebt ist und nur an ganz wenigen Stellen Falten wirft. Er ist ziemlich rutschig und die Border sind alle mit durchdrehenden "Reifen" unterwegs. Boris verblüfft Marcos damit, dass er nicht am Steg abzubremsen ist. Marcos hat das noch nie gesehen, denn im Training ist das Schatzili natürlich mustergültig und macht Sitz am Abgang. Mir schwant Übles. Naja, konzentriere ich mich halt jetzt einmal auf den Steg und die Wippe, wir werden morgen sehen, ob's was hilft.

Am Abend quartieren wir uns bei Dan ein, sein Haus ist schon voll mit allen auswärtigen Startern. Rekordhalter ist Alexandre, er kommt aus Pernambuco, das sind glatte 3000 km Anreise. -Ihr Schweizer, ihr könnt euch glücklich schätzen, dass ihr es selten weiter als 100km zum nächsten Turnier habt!-

Am nächsten Morgen fängt das Turnier um 10 Uhr mit den Iniciantes an, das sind die Anfänger, Parcours ohne Wippe und Slalom. Inzwischen ist auch Marcos Frau Andrea mit dem Bus in SP angekommen, sie sieht etwas mitgenommen aus, gewinnt aber mit Pim, dem Cocker Spaniel, die Iniciantes Midi.

Ihre Tochter Priscila stolpert leider in ihrem Lauf mit Sky (BC), aber für das erste Turnier der beiden läuft es super.

Die Reihenfolge der Läufe ist hier für alle Wettkämpfe festgelegt, es beginnen immer die Iniciantes, dann kommt der Agi-Lauf I, dann der Open I+II, d.h. mit einem Turnier kann man schon zwei Nuller für den Aufstieg von I ins II sammeln, danach dürfen endlich die IIIer mal ans Werk mit ihrem Agi-Lauf und den Schluss des Turniers macht der Jumping II +III. Die IIer haben also gar keinen eigenen Läufe, sondern müssen sich immer nach unten oder oben anpassen.

Marcos und Andrea starten mit den beiden BC Flexa und Blazer im I, Andrea geht leider EL, Marcos wird in der Kombination 5., und dann heisst es warten auf "grau tres".

Der Agi-Parcours ist erstaunlich einfach, er sollte zu lösen sein. Marcos startet mit Emilly vor mir und legt einen Nuller hin. Jetzt werde ich doch nervös, denn ich möchte ihm ja mal zeigen, dass Boris und ich nicht ganz so mies sind:-) Und wahrlich, wir schaffen auch einen Nuller (der Steg hat irgendwie geklappt) und sind sogar 1.93 s schneller als die beiden, freu! Die Startreihenfolge des Jumpings richtet sich nach der Rangierung im Agi-Lauf, d.h. Marcos startet wieder vor mir und ich als 8 letzte. Wieder ein Nuller von Marcos, es wird eng für Boris und mich. Wir haben hier in Brasilien noch nie zwei Nuller hintereinander geschafft. Aber, es ist unser Tag. Wieder ein Nuller, nur Überzeit, schreckliche 3.52 s. In der Gesamtwertung sind wir 6., nur 0.05 s langsamer als Marcos, der damit 5. wird. Dafür das wiedermal nur BC's am Start waren, bin ich mit meiner Schnecke hochzufrieden! Beim Weggehen gratuliert mir noch der Richter zu meinem Hund und den Läufen, es habe ihm sehr gut gefallen, stolz bin!

Am Sonntag fängt alles wieder mit den Iniciantes an, diesmal läuft Andrea ein EL, dafür wird Priscila 2. mit Sky. Andrea läuft auch noch mit Flexa zwei El, es geht halt nicht jeden Tag gleich gut. Marcos startet nicht im I, er ist heute Richter für den Open I und II und pfeifft seine Frau extra laut aus dem Parcours. Für mich läuft es heute nicht so gut, Boris hat jetzt wirklich herausgefunden, dass keine Zeit ist, am Steg anzuhalten und springt frisch fröhlich herunter. Nein, es ist natürlich meine Schuld, aber mit den Standardzeiten bin ich irgendwie im Stress. Immerhin schaffe ich es, Druck zu machen und immer vor dem Hund zu sein, daraus resultiert eine Überzeit von nur 0.89 s im Agi-Lauf. Im Jumping ist Boris schon recht müde, inzwischen ist es in der Halle auch recht warm, er fängt vor dem Slalom an zu schnuppern, ich könnte ihn erwürgen und brülle ihn an. Er reisst sich zusammen und eine Stange. Also 5 Fehler und noch dazu ganze 7 !s Überzeit. Die Schnecke ist wieder da. Immerhin kein El. In der Gesamtwertung reicht es zum 13. und letzen Platz, alle anderen der 29 Starter (wieder nur BC's) sind draussen. Naja, was soll's.

Am Abend, bevor wir Andrea zum Busbahnhof bringen, besuchen wir noch das grösste Tiergeschäft der Metropole. 3 Etagen und 24 Stunden offen sowie ein eigener Agi-Platz. Ich hoffe, dass ich ein wenig Geld anbringen kann, aber so richtig gelingt es mir nicht bei dem Angebot:

Immerhin, eine reflektierende Leine und ein Körbchen finde ich... Aber eigentlich ist alles mehr oder weniger Müll, dafür ist es wenigstens billig, für unser einen halt.

Bilder

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Sonntag:

Filme

(kommen noch)